DIVERCITY
Auszüge aus dem DIVERCITY Katalog, zusammengestellt von Student_innen der Uni Potsdam und FU Berlin sowie dem Network for Intercultural Communication e.V.
GLOSSAR
Akkulturation bezeichnet den Prozess der An- bzw. Übernahme von Elementen einer Kultur, der man selbst nicht angehört. Ein Wandel kann hinsichtlich der Sprache, Werte, Normen, Verhaltensmuster oder ideologischer Konzepte erfolgen, ebenso können Institutionen, Techniken oder Produkte akkulturiert werden. Hierbei geht die eigene Kultur nicht zwangsläufig verloren. Je nach Grad der Akkulturation kann diese partiell oder vollständig vonstatten gehen, wobei immer die Möglichkeit besteht, dass Elemente aus beiden Kulturen verschmelzen und dabei neue Elemente entstehen (siehe Hybridität).
Problematisch ist dieser Begriff allerdings, da er kulturgeschichtlich zumeist auf eine Annahme der dominierenden Kultur verweist und eine Dekulturation, und somit eine ablehnende Haltung gegenüber der ursprünglichen Kultur nach sich zieht.
Fiona McPhee und Anja Steinmetzer
Assimilation: die Anpassung an eine andere (zumeist dominierende) Kultur. Assimilation kann in verschiedenen Bereichen erfolgen: Angefangen bei der Assimilation an das gesellschaftspolitische System (Einwohnermeldeamt, Arbeitsmarkt, Sozialversicherungsnummer) über kulturelle Anpassung durch Sprache oder „Sitten und Bräuche“, bis hin zur emotionalen Assimilation, wenn eine völlige Identifikation mit der anderen Kultur stattgefunden hat. Die Frage bleibt, inwiefern der Assimilationsbegriff eine Anpassung vorschreibt oder vorschlägt.
Fiona McPhee und Anja Steinmetzer
Das Eigene und das Fremde: Das Eigene ist das alltäglich Bekannte. Es entsteht durch die Fremderfahrungen, die wir während unserer Ausbildung oder während des alltäglichen Lebens sammeln. Dabei wird Unbekanntes im Spannungsfeld zwischen Klischeebildung und Fetischismus als etwas Eigenes angeeignet. Jedoch kommt es nicht zu einer kompletten Aneignung. Man kann sich den Prozess wie einen Kreislauf vorstellen: das Fremde ist zunächst attraktiv. Es reizt zur Auseinandersetzung und zum Vergleich mit dem, was man bereits kennt. Das Ergebnis dieses Vergleichs kann seine Attraktivität steigern und zu weiterer Auseinandersetzung motivieren. Umgekehrt ist es auch möglich, das Fremde abstoßend zu empfinden. In diesem Fall endet die Auseinandersetzung meist mit Klischeebildung. In jedem Falle wird während des Prozesses das Fremde in gewissem Maße zu etwas Eigenem. Man könnte auch sagen, dass das Fremde eigentlich nicht außerhalb des Eigenen wahrgenommen werden kann, denn wir deuten das Fremde automatisch mit uns bekannten Wissensmustern und innerhalb unseres Erfahrungshorizonts.
Patrick Ewald
Eurozentrismus versteht Normen und Werte, die sich in der Entwicklung europäischer Kultur herausbildeten, als universell gültig und als Generatoren menschlichen Fortschritts. Europa bildet demzufolge den Nabel der Welt, der den Maßstab setzt für die Beurteilung von Denkweisen, Lebensstilen und der Geschichte anderer Kulturkreise. Die Überzeugung der Überlegenheit Europas führte zu kolonialen und imperialen Bestrebungen, in denen die europäischen Zivilisationskonzepte auf andere vermeintlich kulturell rückschrittliche Kulturen angelegt wurden und gleichsam die kulturelle Dominanz Europas rechtfertigten.
Der Begriff bezeichnet aber auch eine unbewusste, da unreflektierte, eurozentrische Perspektive, die eine Folge der Enkulturation eines jeden Individuums in seiner sozio-kulturellen Umgebung ist (siehe Ethnozentrismus). In Zeiten internationaler Wirtschaftsbeziehungen und globaler Kommunikation wird dieser Blickwinkel beibehalten. Durch den so genannten Spiegeleffekt können auch Mitglieder nicht-europäischer Kulturen eine eurozentristische Perspektive übernehmen und die eigene Kultur unbewusst als „unterlegen“ bewerten. Eine inter- und transkulturelle Kommunikation, die ein Bewusstsein für die Leistungen, Vielfalt und jeweils individuellen und komplexen Entwicklungen außer-europäischer Kulturkreise schafft und das Verhaftetsein an der eigenen Kultur reflektiert, kann zur Hinterfragung des Eurozentrismus anregen.
Nicola Bzowy und Sarah Nekola
Ethnozentrismus bezeichnet die Denkweise, die eigene soziale Gruppe oder Kultur (z.B. die europäische, siehe Eurozentrismus) als Grundlage für die Bewertung anderer Gruppen zu nehmen. Zum einen fördert dies den Prozess der eigenen Enkulturation. Zum anderen führt die Vorstellung vom höheren Wert der eigenen Gruppe zu Abgrenzungsmechanismen gegenüber Fremden; verhindert es, sich auf andere Perspektiven einzulassen und macht blind für die Chancen sozio-kultureller Vielfalt. Die Grenzen zwischen Ethnozentrismus und Rassismus sind mitunter fließend, wobei der Rassismus die Über- bzw. Unterlegenheit einer Ethnie eher biologisch begründet. Der Ethnozentrismus hingegen beruft sich auf historische und kulturelle Faktoren um Werturteile zu rechtfertigen. Mitunter ist die Grenze zwischen ethnozentristischen und rassistischen Einstellungen fließend.
Nicola Bzowy und Sarah Nekola
Kulturrassismus ist ein ideologisch geprägter Begriff. Menschen werden aufgrund von bestimmten körperlichen (z.B. Hautfarbe) und/oder kulturellen Merkmalen (z.B. Sprache, Religion, Lebensstil) und/oder wegen ihrer ethnischen bzw. nationalen Zugehörigkeit in Abstammungsgemeinschaften –
„Rassen“ im weitesten Sinne – eingeteilt. Den Mitgliedern solcher imaginärer Gemeinschaften wird eine gemeinsame kulturelle Wesensart zugeschrieben. Aufgrund dieser Stereotypen wird eine Rangfolge von Höher- und Minderwertigkeit behauptet.
Katharina Fitz und Sonja Laube
Multikulturalismus ist die Vorstellung von verschiedenen Kulturen als festen Gebilden, die sich zwar untereinander austauschen, aber dennoch voneinander abgrenzbar sind. Diese Vorstellung impliziert, dass man die Eigenschaften seiner jeweiligen Tradition/Kultur stärker zur Erscheinung kommen lässt und sie zelebriert. Gleichzeitig werden die Unterschiede und Grenzen zwischen den Kulturen besonders betont. In einer Stadt wie Berlin, in der sich Kulturen unumgänglich und zum großen Teil unbemerkt in “eine Berliner Gemeinschaft” oder in “viele von Berlin geprägte Kulturen” vermischen, wobei die jeweiligen Ursprünge der Traditionen und Lebensweisen aber oft nicht zu benennen sind und sich der Umgang mit jenen permanent transformiert, scheint der Begriff “Multikulturalismus” nicht auszureichen.
Klara Groß und Sandra Prophet
Interkulturalität: Der Begriff Interkulturalität hebt sich deutlich vom Begriff des Multikulturalismus ab. Während letzterer von einer Gesellschaft ausgeht, in der mehrere Kulturen nebeneinander und mehr oder weniger unabhängig voneinander koexistieren, bezeichnet Interkulturalität ein „Dazwischen“. Gemeint ist hiermit ein produktiver Dialog zwischen den einzelnen Kulturen, woraus etwas völlig Neues entsteht. Dieses Neue ist eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft und zeigt sich in sehr unterschiedlichen Formen auf sozialer, künstlerischer sowie religiöser Ebene. Interkulturalität stellt somit eine Möglichkeit dar, sich von der oft problembehafteten Bezeichnung des Multikulturellen zu lösen und das Zusammenleben verschiedenster Kulturen in heutigen Großstädten als ein Potential der Differenzen anzusehen. Obschon der Begriff noch immer von voneinander trennbaren Kulturen und Kulturräumen ausgeht (anders als z.B. der Begriff der Transkulturalität), stehen hier die einzelnen Kulturen in einem anzustrebenden Austausch-Verhältnis. Im Zuge des Projektes DIVERCITY sollen eben diese produktiven Ergebnisse des Dialogs „zwischen den Kulturen“ präsentiert werden.
Sina Schröder und Jana Konieczny
Transkulturalität begreift Kulturen nicht mehr als voneinander (klar) abtrennbar, sondern betont die wechselseitigen Einflüsse und Überlappungen der Kulturen untereinander sowie die Pluralität und Vielfältigkeit innerhalb einer Kultur. Kulturelle Grenzen verlaufen fließend, da Kulturen von verschiedenen Identitäten und Lebensstilen gezeichnet sind. Dies ist Ausdruck der vielfältigen kulturellen Einflüsse der Kulturen untereinander.
Zoë Trimbur
Hybridität: ist ein zentraler Begriff in der Debatte um Minderheiten, Migration, Kulturkontakt und Globalisierung in der heutigen Zeit. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Biologie, wo er eine „Rassenmischung“ oder botanische Kreuzung bezeichnet. Hybridität ist ein Resultat der Hybridisierung – einem Prozess der Neubildung von Identitäten durch Aushandlung. Auslöser der Hybridisierung ist die Begegnung mit dem Unbekannten, Andersartigen. Es folgt ein transkultureller Kommunikationsprozess des Aushandelns und erneuten Begegnens, der zu einer „Mischform“ aus verschiedenen Identitäten führt. Der Prozess ist dabei nie vollständig abgeschlossen, Hybridisierung vollzieht sich ständig und überall. Das Konzept der Hybridität stellt die Vorstellung einer „reinen“ oder „essentiellen“ Kultur also wesentlich in Frage. Die Schwerpunkte der Hybridität sind die Begegnung und Zusammenkunft von Kulturen als kulturelle, ethnische, religiöse Vielfalt.
Robert Bohle und Ekaterina Malenkova
Diversität: Der Begriff Diversität bezeichnet das dynamische Miteinander vielfältiger Erscheinungsformen des menschlichen Zusammenlebens in einem bestimmten Raum und seine Potentiale. Gesellschaftliche Vielfalt wird hier nicht nur, und das grenzt diesen Begriff vom Multikulturalismus ab, durch unterschiedliche kulturelle, sondern auch durch soziale und politische Lebensformen getragen. Differenzen bleiben dabei weiterhin sichtbar, jedoch kommt ihnen eine höchst positive Bedeutung zu: Sie sollen nicht mehr zur Ausgrenzung und Benachteiligung führen, sondern vielmehr mögliche Bereiche eines dynamischen Austausches darstellen, in denen sich kulturelle Grenzen und stereotype Zuschreibungen auflösen. Durch die Anerkennung von Vielfalt kann dabei etwas ganz Neues und Hybrides entstehen.
Ulrike Eichman
DIVERCITY – DER FILM
KÜNSTLER_INNEN
I. DAS EXPERIMENTIERLABOR
Während des dreitägigen Experimentierlabors gestalteten sowohl die Künstlerinnen Katarzyna Belski-Urban und Elisa Haug als auch Teilnehmende des DIVERCITY-Projektes gleichermaßen in einer performativen Arbeit, die um Fragen der Identität und des Fremdseins kreiste, den Raum des EB104 an der Technischen Universität Berlin. Die Teilnehmer/-innen sollten, während die Künstlerinnen zunächst in einer Versuchsanordnung deren Agieren orchestrierten, anhand vorgefundener Materialien spontan individuelle Handlungen ausführen und sich in einem diskursiven Reflexionsprozess mit dem Thema Identität auseinandersetzen. Da eine intermediale Installation entstehen sollte, fügten sich im urbanen Raum gefundene Geräusche und polyglott vorgetragene Gedichte zu einer Klangcollage zusammen. Diese akustischen Spuren des transkulturellen Berlins wurden mit bearbeiteten Gegenständen, sowie Texten, die den Raum in eine Art Mind-Map verwandelten, intermedial vernetzt.
Studentische Teilnehmer_innen: Robert Bohle/Valentina Cristante/Sarah Nekola
II. EIGENTLICH BIN ICH WIE DU
Die Aussagen, die in Hadmut Bittigers Kunstwerk zu hören sind, stehen für sich selbst, da der Betrachter mit unverfälschten, reinen Stimmen konfrontiert wird – ohne Wertung, ohne Kommentar. Die Künstlerin integriert diese Aussagen in eine Soundinstallation und lässt die Fragmente über Lautsprecher, die an der Wand angebracht sind, erklingen. Diverse Kabel sorgen dabei für eine netzartige Verbindung zwischen den einzelnen Aussagen. Manche Kabel hängen jedoch unverbunden herunter – gehen ins Leere, finden keinen Anschluss. Für den Betrachter bleibt es nicht beim bloßen Anschauen, er muss selbst tätig werden, indem er einen Knopf drückt, um eine Stimme zu hören. Nur so entsteht eine kommunikative Situation. Es bleibt für den Betrachter ungewiss, wer hinter diesen Stimmen steckt.

Studentische Teilnehmer_innen: Ulrike Eichman/Zoë Trimbur
III. TRAUM ZWEIER STÄDTE
Die Choreographin Meritxell Campos Olivé, 1976 in Barcelona geboren, absolvierte ihre Tanz- und Schauspielausbildung in ihrer Heimatstadt und wirkt nach ihrem Abschluss europaweit in Film-, Theater-, Musical- und Tanzproduktionen mit. Seit 1999 lebt und arbeitet sie in Berlin, wo sie sich hauptsächlich auf Tanzprojekte konzentriert. Aus ihrer langjährigen und vielfältigen Erfahrung mit unterschiedlichen Tanzstilen kreierte Meritxell Campos ihre eigene Richtung: den Modern Dance Latino. In ihrem Tanztheaterstück Traum zweier Städte – El sueño de dos ciudades inszeniert sie zusammen mit Moritz Stumm und mit Hilfe einer internationalen Tänzergruppe, sowie einer Mischung verschiedener Tanzstile, den kreativen Austausch zwischen Kulturen.

Studentische Teilnehmer_innen: Jana Konieczny/Sina Schröder
IV. BIOGRAPHY EINES ORTES
Die drei Papierbahnen (7x1m) im Zentrum der Installation vermitteln verschiedene Eindrücke des städtischen Friedhofs Columbiadamm mittels der Frottage. Mit dieser Technik überträgt der Dortmunder Künstler Dirk Fahle mit Blei Abdrücke von ausgewählten Ausschnitten des Bodens auf robustes Packpapier und macht so Muster und Spuren vom Untergrund sichtbar. Die weitere Bearbeitung mit Leinöl trägt zur Strukturierung und transparenten Durchbrechung der massiven Papierbahnen bei. Die leuchtend grüne Holzbeize an den Rändern spiegelt, neben den Formen aus Blei und Licht, die am stärksten präsente Farbigkeit des Ortes wider. Der so reflektierte Ort zeugt von einer spannenden kulturellen und religiösen Diversität, welche aus seiner historischen Funktion als Garnisonsfriedhof und der aktuellen Nutzung durch unterschiedliche religiöse und säkularisierte Träger resultiert.

Studentische Teilnehmer_innen: Klara Groß, Jana Konieczny
V. LEBENSMUSTER
Mariel Poppe (1968 in Gießen geboren) studierte von 1992 bis 1997 an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Christina Kubisch und Prof. Lothar Baumgarten. 1998 wurde sie mit dem Meisterschülerpreis der HdK ausgezeichnet. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin. Die im Rahmen von DIVERCITY gezeigte Installation mit dem Titel „Lebensmuster“ verwendet fünf verschiedene Ornamente, die sich alle auf die Grundform des Sechsecks beziehen und jeweils zweimal verwendet werden. Als Lochmuster werden sie in großformatige Bögen aus unbehandelter Pappe eingeschnitten. Die insgesamt zehn hintereinander und versetzt gestaffelten Muster von je 225 cm x 75 cm Größe gestatten den BetrachterInnen nur eine partielle, fragmentierte Sicht in den Raum. Die Wahrnehmung des Ortes und der Menschen zwischen und hinter den Bögen erscheint gefiltert.

Studentische Teilnehmer_innen: Sandra Prophet
VI. BERLIN-ISTANBUL. EIN VIDEODIALOG
Denitza Todorova betritt mit ihrem neuen Projekt in gewisser Hinsicht Neuland. Zwar ging es der Web- und Videokünstlerin in ihrem bisherigen Schaffen stets um das Dazwischen, um den Moment „zwischen der Stille und der ersten Note, die ich auf dem Klavier anschlage“, doch blieb ihre Arbeit der Entgrenzung des Festgesetzten stets im Rahmen eines eher designbetonten Kunstschaffens. Mit ihrem Projekt zur interkulturellen Kommunikation zwischen Türken in der Türkei und Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund, wagt sie einen Schritt in Richtung politischer Relevanz ihrer Kunst.
Auf zwei Leinwänden stellt die Videoinstallation deutsch-türkische Berliner/-innen und in Istanbul lebende Türken/-innen gegenüber. Während sich diese, zeitlich und räumlich versetzt, Fragen stellen und Antworten geben, befinden sich die Erlebenden der Videoinstallation im Zwischenraum von Frage und Antwort, Vorurteil und Wahrheit. Damit sind sie Befragte und Antwortende. Eine Frage bleibt jedoch unbeantwortet: warum der Austausch zu solch dringenden Fragen erst über die Ästhetik der Kunst ablaufen muss.

Studentische Teilnehmer_innen: Patrick Ewald, Sandra Nekola
VII. HIER UND DA
Lisa Vanovitch wurde 1985 in Berlin geboren, wo sie nach ihrem Studienabschluss in „Freie Kunst: Fotografie“ an der Kunsthochschule Glasgow seit 2008 als freischaffende Künstlerin und Gestalterin tätig ist. In ihren früheren Arbeiten beschäftigte sie sich bereits mehrfach mit kulturellen Themen, unter anderem Ausländerklischees. Durch ihre Fotostrecke Hier und da für DIVERCITY möchte sie den Berlinerinnen und Berlinern ihre eigene Stadt nahe bringen, indem sie Fensterausblicke verschiedenster Berliner Bevölkerungsgruppen festhält. Das Projekt soll die daran beteiligten Menschen zusammenführen und ihre verschiedenen Positionen in einem interkulturellen Stadtleben darstellen. Einige von Lisa Vanovitchs Fotografien werden im Format 80x120cm auf der DIVERCITY-Ausstellung zu sehen sein, die gesamte Fotostrecke ist in einem Einzelkatalog abgedruckt.


Studentische Teilnehmerin: Sina Schroeder
VIII. TZVETA SOFRONIEVA
Tzveta Sofronieva wurde 1963 in Sofia, Bulgarien geboren und lebt heute nach Aufenthalten in den USA, England und Kanada als freie Autorin vorwiegend in Berlin. Zunächst studierte Tzveta Sofroniva Physik und promovierte nach ihrem Diplom über die kulturellen Einflüsse auf den Wissenstransfer. Später arbeitete sie als Wissenschaftshistorikerin und Kulturkorrespodentin in verschiedenen Ländern. Seit Anfang der 80er Jahre veröffentlicht die Autorin Gedichte, Essays und Erzählungen. Sie schreibt auf Deutsch, Bulgarisch und Englisch. Tzveta Sofronieva beschäftigt sich in ihrer Lyrik und Prosa u.a. mit Interkulturalität, der Macht von Worten und der Verbindung zwischen Wissenschaft und Literatur. Mitte der 90er Jahre gründete Tveta Sofronieva das europäische Netzwerk Verbotene Worte. Die gleichnamige Anthologie erschien 2005. Zuletzt veröffentlichte Tzveta Sofronieva 2008 den Gedichtband Eine Hand voll Wasser. 2009 wurde sie mit dem Chamisso Förderpreis ausgezeichnet.

studentische Teilnehmerinnen: Nicola Bzowy und Charlotte Silbermann
ORTE DER BEGEGNUNG
I.DANCEART-PERFORMANCE
„Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt“, sagte einst der Erzähler Jean Paul alias Johann Paul Richter über die deutsche Hauptstadt. Blickt man heute, rund hundert Jahre später, auf die Metropole an der Spree, möchte man ihm ohne Widerspruch zustimmen.
Ein Teil dieser Welt findet sich in den öffentlichen Schulen Berlins, die geprägt sind von einer stark differenzierten, heterogenen Mischung von Kulturen und sozialen Gruppen. Geografische Herkunft, kulturelle oder gesell-schaftliche Zugehörigkeit und das Level der Integration in die Gemeinschaft werden oft als Abgrenzungsmechanismen, aber auch als Grundlage für das Knüpfen von Beziehungen benutzt. So treffen Migrantenkinder auf Zu-zügler aus dem gesamten Bundesgebiet, lernen die Nachkommen der Einwanderungs- und Gastarbeiterpolitik der späten 60er Jahre mit deutschen Kindern der Nach-wendezeit, Schüler aus der Stadtmitte sind Banknachbarn von „Umländern“ und Sprösslinge von Intellektuellen diskutieren mit Arbeiterkindern. Kein Wunder, dass die kulturelle Prägung der jungen Berliner im Vergleich mit kleineren Städten vielschich-tiger und tiefgreifender ist.
Die Zusammenführung dieser Gruppen und die Integration in die Gesellschaft findet nicht ausschließlich im Schulbetrieb – mit seinen festen Rahmenplänen, Lern- und Lehrmethoden – statt, sondern vor allem in den begleitenden öffentlichen Angeboten mit eigenem kulturellen Anspruch. Die „Dançarinos alegres nascente do Spree – D.a.n.d.S.“, ein Tanzprojekt an Berliner Schu-len in sogenannten Problemkiezen ist eine solche Veranstaltung. Entwickelt und initiiert wurde die Tanzgruppe vom Performance-Teacher Lutz Mauk, unterstützt vom bra-silianischen Tanzlehrer Carlos da Silva. In seiner Pilotphase von September 2008 bis Juli 2009 versammelte das fakultative Angebot Gruppen von ca. zehn Teilnehmern an sechs Berliner Grundschulen. Alle Beteiligten verband dabei die gemeinschaft-liche Herausforderung, über kulturelle und soziale Barrieren hinweg, eine tänzerische

Studentische Teilnehmer_innen: Anja Steinmetzer
II. DÜNJA MÄDCHENTREFF
Das Wort dünja bezeichnet im Türkischen und Arabischen „Welt“, aber in der Jagowstraße 12 in Moabit noch etwas mehr. Hier befindet sich seit 1999 der Kulturtreff „Dünja“ – eine Welt nur für Mädchen. An diesem Ort treten die Herkunft und die kulturelle Prägung der Mädchen und jungen Frauen in den Hintergrund, denn in erster Linie bietet Dünja ihnen einen Raum, in dem sie ihren Interessen und Bedürfnissen als Schülerinnen und Mädchen nachkommen können. Über eine gezielte pädagogische Betreuung und durch ein vielfältiges Angebot an Projekten in den Bereichen Bildung und Kreativität lernen sie zum Einen, in der Gemeinschaft verantwortungsvoll zu handeln und zum Anderen, Eigeninitiative zu ergreifen und sich selbst und ihre Ziele zu verwirklichen.

Studentische Teilnehmer_innen: Ulrike Eichman/Zoë Trimbur
III. Hînbûn: Bildungs- und Beratungszentrum für Frauen und Familien
Hînbûn ist ein Projekt des Berliner Senats für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen. Seit 1981 ist dieses Projekt in Berlin-Spandau angesiedelt.
Schwerpunkte sind Sozialberatung für Migrantinnen und ihre Familien, Bildungs- und Weiterbildungsangebote, Fortbildungsangebote für Fachkräfte aus der Regelversorgung, interkultureller Austausch in Frauengruppen, sowie Öffentlichkeitsarbeit zur Situation von Flüchtlingsfrauen.

Studentische Teilnehmer_innen: Valentina Cristante/Fiona McPhee
IV. Der Interkulturelle Garten Berlin-Marzahn
Im Rahmen eines interkulturellen Projekts schufen das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, der Reistrommel e.V. und der Vision e.V. im Jahr 2005 auf einem brachliegenden fünf Hektar großen Kindergartengelände den „Interkulturellen Garten Marzahn“. Die Idee ist dem Vorbild der 1996 in Göttingen entwickelten gleichnamigen Gärten entlehnt. Er soll Migranten verschiedener Kulturen gemeinsam in einem öffentlichen Raum vereinen. Die landschaftliche Arbeit liegt vielen der Einwanderer aus Rumänien, Kasachstan, Russland oder Vietnam am Herzen. Und so wurden sie, mit Hilfe des Engagements der beiden Vereine und finanzieller Starthilfe der Stadt Berlin, zu Schrebergartenbesitzern. Dreizehn Gärten dieser Art gibt es im Berliner Raum, vor allem in den Randbezirken gelegen, mehrere hundert im gesamten Bundesgebiet. Ungenutzte Bebauungsfläche ist so zu einem Ort der interkulturellen Verständigung geworden.

Studentische Teilnehmer_innen: Anja Steinmetzer
V. DAS KREUZBERGER STADTTEILZENTRUM
Das Stadtteilzentrum Kreuzberg im Reichenberger Kiez bietet in seinem KiezCafé generations-, geschlechts- und kulturübergreifende Angebote für den Kiez. Es ist ebenfalls eine Anlaufstelle für alltägliche Fragen und Probleme und bietet Sozial- wie Rechtsberatung an.

Studentische Teilnehmer_innen: Fiona McPhee
VI. OUTREACH ORIENTEXPRESS
Der Orient Express ist dort, wo die Vielfalt unserer Stadt gefeiert wird – sei es die Vorstellung der Projekttage einer Grundschule oder die Eröffnung eines Kulturhauses der arabischen Community Berlins. Überall dort ist Haroun Sweis, der Leiter des Orient Express, mit seinem Zelt zu finden.
Es ist ein mobiles Projekt von Outreach im Verband für sozial-kulturelle Arbeit e.V., das sich an Schulen, Jugendfreizeitzentren aber auch an Moscheen und Kirchen in Berlin richtet. Es geht um Aufklärung: Aufklärung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrerinnen, Lehrer und anderer interessierter Bürger. Es sollen Vorurteile abgebaut und Unwissenheit beseitigt werden.
Studentische Teilnehmer_innen: Patrick Ewald/Fiona McPhee
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